Kein Wasser. Kein Strom. Handy weg.

Das mein Handy weg ist ist ärgerlich. Nicht geklaut, sondern verloren. In einer „guagua“ auf dem Sitz liegen gelassen.

Seit einer knappen Woche lebe ich bei meiner Gastfamilie und nun mit halb Los Alcarrizos verwandt. Jeden Tag ein neuer Cousin, Bruder, Schwester oder Tante die sich vorstellt. Bei mir im Haus wohnen meine Gastmutter Mercedes mit ihrem Sohn Kiki, seiner Frau Ingrid und ihren drei kleinen Töchtern mit 6, 4 und 2 Jahren. In der Familie und in der Nachbarschaft fühle ich mich wohl.

Zur Zeit gibt es selten Wasser und Strom. Vielleicht die Auswirkungen des Hurrikane über der Insel Hispaniola, vielleicht auch Alltag.
Ich dusche mit einem Eimer Wasser aus der Regentonne. Meine langen Haare zu Waschen ist schwer, und sowieso müsste ich jeden Tag 3-4 Mal duschen, denn sobald ich angezogen bin schwitze ich schon wieder und alles klebt. Man gewöhnt sich aber an die Hitze und das viele Schwitzen.

Ärgerlich ist wenn nachts der Strom ausfällt und das passiert leider öfter, denn dann funktioniert der Ventilator in meinem Zimmer nichtmehr und schlafen wird zu einer schwierigen Angelegenheit.

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Von links: Adam, Silke, Aron, Birgit, Jascha, Kiki, Dani, Sebastian, Paul und Carlos

Durch die Gastfamilie tauche ich immer mehr in die dominikanische Kultur ein und ich fühle mich wohl. Dennoch läuft kaum etwas wie in Deutschland.

Gibt es Strom läuft der Fernseher den ganzen Tag und tagsüber sitzen meine Gastmutter mit ihren Schwestern, Nachbarinnen und Freundinnen hinter dem Haus und die drei kleinen spielen mit den Nachbarsmädchen.

Im Innenhof, mein Gastvater. In seiner Hose eine Pistole und gegenüber sein Nachbarn. Sie spielen Karten und unterhält sich mit mir über die Unterschiede der Dominikanischen Republik und Deutschland.

In meinem letzten Bericht habe ich geschrieben, dass uns Hurrikane Matthew nur mit viel Regen getroffen hat und alles für ein paar Tage still gelegt wurde. Für die Menschen in der Lecheria sah das anders aus. Viele Häuser im Batey besitzen keine dichten Dächer und sind jeglichen Witterungen ausgesetzt. Tagsüber wird es in den Häusern heiß und stickig und bei Regen wird es nass. Viele Häuser im Batey laufen mit Wasser voll.

Schlimmer hat es die Menschen in Haiti getroffen. Mehr als 300 Tote und das ca. 250km von uns entfernt, die gleiche Distanz von Stuttgart nach Köln.Sich über die Nähe dieses Unglücks bewusst zu sein berührt mich sehr. Menschen die ihre Kinder, Eltern und Freunde verloren haben und viele ohne Dach über dem Kopf dastehen.

Nach 5 tägiger Regenpause beginnt auch das Training wieder. Nach dem Training kicken wir im Batey. Deutschland gegen die Dominikanische Republik.

Letzte Woche sind Birgit, aus dem Team Café con leche Deutschland und Projektgründer Sebastian angekommen.
Unsere Vorgänger Adam und Jascha verabschieden sich von den Kindern, die sie das letzte Jahr über im Training, dem Englischunterricht und der Hausaufgabenhilfe begleitet haben.

Der Abschied ist für beide Seiten emotional und für mich einer der Nachteile an einem Freiwilligendienst.Jedes Jahr kommen neue Freiwillige und die „Alte“ werden ersetzt. Eine sehr schwierige Umstellung für die Kinder im Projekt und die Mitarbeiter vor Ort, noch einmal bei neu anfangen zu müssen.

Am Wochenende das erste Spiel das ich begleite, zusammen mit der U19 von Café con leche.
1 1/2 Stunden zu 12 in einer Guagua.
Auf der Hinfahrt gibt es dominikanischen Rapbattle und Musik.
Ich spiel mit.
Auf der Rückfahrt: nach Schweiß stinkende, schlafende Jugendliche und ich habe als einziger einen Sonnenbrand im Gesicht.

Morgen beginnt unser Spanischkurs. In den nächsten 4 Wochen werden wir von Montag bis Donnerstag jeweils 2 Stunden unser Spanisch verbessern, um uns im Training, im Batey und unserem Umfeld besser verständigen zu können.

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3 Gedanken zu “Kein Wasser. Kein Strom. Handy weg.

  1. Hallo Paul, wie steht es mit deinen handy-Entzugserscheinungen ?
    Und hast du schon langsam Gelüste nach einer Brezel mit Butter oder Maultaschen, Spätzle oder eher nach einem Tannenzäpfle oder Schwaben Bräu, Lyoner oder Saitenwürschtle, Landjäger, Hefezopf…. Jetzt Schluß mit den Gemeinheiten ! Viele Grüße von deiner lieben Tante Sabine und Bas, Lou, Katharina und Bastiaan

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  2. Lieber Paul,
    Deine Erlebnisse vor Ort lesen sich beeindruckend und sind Beleg dafür, wie dankbar wir sein können, in einem Land zu leben, in dem das Wasser fliesst, zumal trinkbar, der Strom aus der Steckdose kommt, das Klima angenehm ist und nicht extrem und und und. Pass gut auf Dich auf und schick Deiner treuen Leserschaft weitere Erfahrungsberichte. Und toi toi toi für ein Handydrsatz. Liebe Grüße von den Honsbergs

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