1 Monat

Um 5.30 Uhr weckt mein Gastvater seinen Sohn Kiki, direkt vor meinem Fenster, für die Arbeit.
Um 7 Uhr klingelt auch schließlich mein Wecker und ich wache zum zweiten Mal auf. Zähneputzen, Café con leche und dann mache ich mich auf den Weg zur WG. Vorher verabschiede ich mich noch von meiner gesamten Familie und den Nachbar die mir auf meinem Weg nach draußen begegnen. Ich treffe die anderen und wir fahren zusammen mit Belen, dem Fahrer der Schule Fey y Algeria, mit dem Pick Up auf der Ladefläche zum Platz.

Die ersten 2 Woche Spanischkurs sind vorüber.
Viel Grammatik, Vokabeln und Grundlagen die wiederholt werden. Spanischkurs, Gastfamilie und der Alltag im Training, der WG und auf der Straße.
Ich erkenne Fortschritte in meinem Spanisch. Neben Smalltalk sind auch richtige Gespräche möglich.

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Calle Gaviota: Die Straße meiner Gastfamilie

In meiner Gastfamilie kann ich mich verständigen und auch die Pläne meines Gastbruders Kiki, mir seit 2 Wochen ein neues Handy zu besorgen, verstehe ich einigermaßen.

Heute ziehe ich nach knapp 3 Wochen in meiner Gastfamilie wieder in die WG. Viele eindrückliche Erfahrungen und ein gutes Gefühl, noch ein zweites zu Hause zu haben und immer Willkommen zu sein, bleiben mir von dieser Zeit.

Zum Essen gibt es Reis mit Bohnen und Fleisch, und das in Mengen.
Diese Woche durfte meine Familie die schwäbische Küche kosten:
Spätzle mit Fleischküchle, haben mehr oder weniger geklappt.
Doch in meiner Gastfamilie läuft auch vieles anders als bei mir zu Hause.
Die Erziehung der Kinder und der Umgang mit Tieren, in meiner Familie aber auch in eingen anderen Familien im Batey und Los Alcarrizos machen mich traurig und wütend.
Ich erschrecke immer wieder wenn die Mädchen mit dem Schuh geschlagen werden, wenn sie frech waren oder nicht gleich hören.
Dennoch spielen Gott und der Glauben in meiner Familie und in großen Teilen der Gesellschaft eine sehr große Rolle. In der Flagge steht Gott vor allem anderen: „dios, patria, libertad“.
In meiner Familie reden wir viel über das Leben, die Kultur, das Essen, den Transport, Wetter und Menschen in Deutschland.

Der Transport mit dem Zug, Skifahren im Winter, Schnee und die vielen Früchte die es in Deutschland nicht gibt können sie sich oft nicht vorstellen.

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„semana intercultural“ in der Schule Fe y Alegria
Seit 3 Tagen ist auch Jascha, als zweiter der Ehemaligen Freiwilligen von Café con leche, gut in Deutschland gelandet.
Vorher, eine Abschiedsfeier mit Musik und vielen tanzenden Jungs und Mädchen, die ihre Körper bewegen können, wie ich es selten gesehen habe.
Selbst die kleinsten Tanzen zur Musik: Abgeschaut, ausprobiert und gelernt von klein auf.
In der letzten Woche leiten wir einige „practicas“ – Trainings.
Es klappt mal mehr und mal wengier gut. Das und die zuvor gennanten Situationen sind die Erfahrungen und Aufgaben, über die vorher so viel geredet wurde. „Sie werden nicht immer leicht sein, aber daraus wird man lernen“ haben viele und auch ich vorher gesagt.
Und so ist es auch.
Nach einem knappen Monat habe ich bereits so viele extreme, erschütternde und beeindruckende aber auch schöne Erfahrungen gemacht und Situationen erlebt wie in meinem Leben in einer solch kurzen Zeit nie zuvor.
Das beste daraus ziehen. Das hab ich auch vorher mit meinem Visum, meiner Krankheit zum Start, dem Verlust meines Handys, den vielen Tagen Regen und anderen enttäuschenden Situation hier gemacht.
Immer wieder denke ich an meine Familie und meiner Freunde in Deutschland.
Was diese wohl gerade machen und ich doch gerne bei ihnen sein will.
Doch meine ersten Eindrücke des Landes und der Kultur, mein Umfeld, die Menschen, das Projekt und seiner Mitarbeiter begeistern mich gleichermaßen, wie mich der Umgang mit Müll, die Armut im Batey und die Gewalt in manchen Haushalten auf eine Art und Weise erschüttern, dass ich bereits jetzt schon meinem Vater, meinem Bruder und meinen Freunden all das hier zeigen möchte.

Abends vor dem Colmado zu sitzen und eisgekühltes Bier aus Plastikbechern zu trinken.
Überall Musik. Die Fahrten, morgens auf dem Pick Up von Belen:
Der Wind in meinem Gesicht, das Licht am Morgen und am Horizon die Berge. Mit uns die Menschen auf der Straße, auf dem Weg zur Arbeit oder zum Baseballtraining.
Die Fahrten auf dem Motoconcho, zusammengequetscht und schwitzend im carro oder im guagua auf dem Weg zu unseren Spielen. Die Kinder auf dem Fußballplatz wenn sie Lust haben zu kicken und alles zu geben. Die strahlenden Kindergesichter im Batey, in der Schule, die Spaß am Tanzen haben. Aber auch die Blicke der Menschen, die sie einem schenken, wenn man als weißer durch die Straßen von Los Alcarrizos läuft und die Meschen vor ihren Häuser grüßt.

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Las Ruinas in der Zona Colonial
Sowie die Sonntagabende bei den Ruinen, in der Zona Colonial in der Altstadt Santo Domingos. Live Musik, eine Platz mit hunderten tanzenden Menschen. Bachata, Merengue und Salsa.
Zum trinken Caipirina oder Rum.
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4 Gedanken zu “1 Monat

  1. Lieber Paul, Du hast eine Schreibader. Deine Berichte lesen sich wie ein Roman. Danke, dass Du uns über diesen Weg teilhaben läßt an Deinen Erlebnissen. Pass gut auf Dich auf.
    Liebe Grüsse, Harald

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  2. Lieber Paul!

    Toll und sehr beeindruckend Dein Bericht. Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.

    Alles klingt so nahe, man hat das Gefühl, als wäre man dabei.

    Gib acht auf Dich und auf bald!

    LG Gerti

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  3. Hallo Paul, da hast Du in der relativ kurzen Zeit schon viel erlebt und dich mit neuen Situationen konfrontieren müssen. In etwa so habe ich mir das vorgestellt. Es sind schon viele Jahre her, dass ich in der Dominikanischen Republik war, aber wie ich sehe, es hat sich nicht sehr viel geändert. Die Lebensfreude ist das große Plus dieses Landes. Alles andere muss man eben nehmen wie es nun mal ist.
    Ich habe mittlerweile die Ski-Saison im Fernsehen verfolgt. Das erste Skirennen in Sölden (Österreich) war spannend. Die Bedingungen prima. Kaiserwetter, d. h. strahlend blauer Himmel und Sonne pur. Schnee gabs natürlich auch, und nicht zu wenig!

    Nun wünsche ich Dir, lieber Paul, weiterhin einen schönen, interessanten Aufenthalt in der Dominikanischen Republik.

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